„Es muss auch um Baukultur gehen“

Auszug aus einem Interview mit Ronald Wanderer vom Bund Deutscher Architekten (BDA) – u.a. über Grünau

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Frage: Die Gebrüder Schulz haben sich in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit für einen deutlichen Rückbau Grünaus ausgesprochen, „weil für die Masse an Wohnraum nicht genügend Infrastruktur da ist“. Die Ränder abreißen, ist das der richtige Weg?

Antwort: Kreativ damit umgehen. Nicht das praktizierte Ausdünnen, das hat wenig mit Stadt zu tun. Dadurch wird die vorhandene Infrastruktur eher infrage gestellt, die für mehr Bewohner angelegt war. Wir sehen es, dass sich Banken, Händler oder die Kultur zurückziehen müssen. Abriss ja, aber konzentriert, auch Wohnkomplexe, mir fällt immer noch kein anders Wort dafür ein, haben Ränder. Es geht ums Herausschälen von Kernen, Stadtinseln, und für eine Vielfalt in der Bevölkerung. Wenn Vermieter nur Angebote für eine soziale Schicht machen, ist das kontraproduktiv, schafft sozialen Konfliktstoff. Wir sollten Rückbau als Umbau begreifen und mit Niveau ergänzen, die Nähe zum See, zum Hafen und zum Grün ausnutzen. Das ist eine der Möglichkeiten, der Gefahr eines isolierten Ortes entgegenzutreten. Grünau gehört zu Leipzig, wie Plagwitz oder die Südvorstadt, in der ich aufgewachsen bin und immer noch lebe, also behandeln wir es auch so.

Interview: Peter Krutsch

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 17.02.2010

Das komplette LVZ-Interview mit Roland Wanderer sowie das angesprochene Interview in der Wochenzeitung DIE ZEIT über Stadtumbau in Leipzig und Grünau finden Sie nachstehend.