Kinderbuchautorin Brigitte Schubert schickt den Troll-jungen Finn auf Entdeckungsreise zum Kulkwitzer See – Artikel der Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2011:
Finn, der kleine Troll aus dem Schwemmsandland, wird übermütig. Nachdem er in Teil 1 von Brigitte Schuberts Kinderbuchreihe „Geschichten aus dem Schwemmsandland“ seine Spezies vor dem Vergessen retten konnte, fordert er nun, in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen zu werden. So einfach wollen es ihm die Trollältesten nicht machen und stellen ihn vor eine Aufgabe. Er soll das Kraut der Bescheidenheit finden. Mit Luisa, einem Menschenmädchen, das Finn schon von seiner ersten Abenteuerreise kennt, begibt er sich per Rennschnecke an den Kulkwitzer See.
Dort angekommen, ist Finn zunächst wütend, weil Grünau viel bunter ist, als die Trolle erzählt haben. Doch sie können es nicht wissen, sie waren noch nie in Grünau. „Die quasseln nur dummes Zeug, denen werde ich ausführlich berichten, wie es hier wirklich ist! Vielleicht schicke ich auch eine bunte Ansichtskarte“, lässt Schubert ihren Protagonisten sinnieren, während dieser vorbei an Gärten mit Lavendel und Klatschmohn vor den Häusern vorbeispaziert.
Die Suche nach dem mysteriösen Kraut führt Finn und Luisa vorbei an den Mietergärten in der Zschampertaue bis hin zu Frieda, dem ausgedienten Saalelastkahn, der 1972 in eine Schiffsgaststätte umgenutzt wurde, und natürlich dem Leuchtturm am Ufer des Sees. Finn, der nur so vor Selbstbewusstsein strotzt, will den rot-weißen Riesen erklimmen, auch ohne Leiter, und klettert an einem dünnen Spinnenfaden hinauf. Hinter den schmierigen Fenstern entdeckt er eine arme, kleine eingeschlossene Fliege. Er will sie retten, doch fällt ihm der rechte Zauberspruch nicht ein. Da hilft ihm der Troll-Onkel, der mitten im See hockt, aus der Patsche. Vor Luisa prahlt Finn jedoch mit seinen Künsten. Die lässt sich nicht an der Nase herumführen und warnt ihn, nicht über seine Überheblichkeit zu stolpern: „So findest du dein komisches Kraut nie!“
Von Luisa erfährt Finn auch mehr über den Kulkwitzer See und wie er entstanden ist. So erzählt sie die Geschichte von „Armin mit den leeren Taschen“, der so bettelarm ist, dass er sich von Beeren und Wurzeln ernähren muss. Bei seiner Buddelei stößt er auf bräunlich-schwarze Klumpen und entdeckt durch Zufall, wie gut sie brennen. Er buddelt weiter, verkauft die Kohle und alle nennen ihn nur noch „Armin, den fleißigen Bergmann“. Armins Mutter ist so glücklich über den Geldsegen, dass sie Freudentränen weint. Und weil sie nicht aufhören kann, füllt ihr Tränenfluss Armins Kohlegrube. „So oder so ähnlich entstand der Kulkwitzer See“, zwinkert Luisa ihrem Freund zu.
In vielen spannenden Kapiteln lehrt die Schönefelder Autorin ihre kleinen Leser Wissenswertes über das Kleinod in Leipzigs Westen und über das Erwachsenwerden. Ob Luisa und Finn das Kraut der Bescheidenheit schlussendlich finden, verrät die 52-Jährige nicht. Dass sollen die Kinder schon selbst herausfinden. Wer den Erscheinungstermin im Dezember dieses Jahres nicht abwarten möchte, den lädt Schubert für den 12. November zu einer Lesung ins Komm-Haus ein. Ab 17.30 Uhr präsentiert sie dort im Rahmen der Hobby-Ausstellung Passagen aus ihrem Werk. „Die Kinder sollen ihre Trolle mitbringen. Dann wird die Lesung zur Trollmania.“
2005 begann Schubert Lyrik und Prosa zu schreiben. Erst war das Schreiben nur die Bewältigung eines gesundheitlichen Schicksalsschlages, heute ist es Sucht. Ohne die Unterstützung der Grünauerin Elke Göbel und den aufmunternden Worten des Nabu-Vorsitzenden Leonhard Kasek hätten ihre Parthen-Trolle den Weg nach Grünau sicher nicht gefunden, betont Schubert.
Uta Zangemeister
Geschichten aus dem Schwemmsandland (Band 2): Das Kraut der Bescheidenheit.
Brigitte Schubert
Taschenbuch, circa 110 Seiten, illustriert, 9,90 Euro
Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungstermin: voraussichtlich Dezember 2011
ISBN: 978-3-86196-117-8
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2011